Einleitung
Die Einkaufsorganisation ist eine der wichtigsten, aber am häufigsten missverstandenen Organisationseinheiten im SAP-MM-Modul. Viele arbeiten täglich mit Bestellungen, Infosätzen oder Lieferanten – und merken gar nicht, wie stark die Einkaufsorganisation im Hintergrund bestimmt, welche Preise gültig sind, welcher Lieferant zuständig ist und wie Prozesse systemweit funktionieren. In diesem Artikel erfährst du, was die Einkaufsorganisation wirklich tut, wie sie aufgebaut ist und wie du sie sinnvoll strukturierst.
Mehr dazu findest du übrigens auch auf meinem YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@datenanalyst
Was die Einkaufsorganisation in SAP eigentlich ist
Die Einkaufsorganisation ist die zentrale Einheit, die im SAP für alles verantwortlich ist, was mit Beschaffung zu tun hat:
- Verträge und Preisvereinbarungen
- Lieferantenpflege
- Infosätze
- Bestellungen
- Verhandlungen und Konditionen
- Einkaufsanalysen
Sie definiert, wer einkauft, wofür eingekauft wird und welche Verträge für welche Standorte gelten.
Während Buchungskreise Finanzen steuern und Werke Produktion oder Lager abbilden, ist die Einkaufsorganisation der Drehpunkt für alle Beschaffungsprozesse.
Die drei Arten von Einkaufsorganisationen
SAP unterscheidet drei Zuordnungsvarianten. Jede davon hat Auswirkungen auf Verhandlungen, Preise und Stammdaten:
1. Werksbezogene Einkaufsorganisation
Jedes Werk hat seine eigene Einkaufsorganisation.
Vorteile:
- hohe Spezialisierung
- Preise pro Werk klar trennbar
Nachteile: - geringere Verhandlungsmacht
- komplexere Pflege
Ideal für Unternehmen, bei denen Werke unabhängig voneinander einkaufen.
2. Buchungskreisbezogene Einkaufsorganisation
Eine Einkaufsorganisation bedient alle Werke eines Buchungskreises.
Vorteile:
- zentrale Verhandlungen
- einheitliche Preise je Buchungskreis
- weniger Stammdatenpflege
Nachteile: - weniger Flexibilität für einzelne Werke
Ideal für mittelgroße Unternehmen mit mehreren Werken pro Land oder Gesellschaft.
3. Konzernweite Einkaufsorganisation (cross-company)
Eine Einkaufsorganisation versorgt mehrere Buchungskreise.
Vorteile:
- maximale Verhandlungsmacht
- zentrale Konditionen, Verträge, Lieferanten
- hohe Effizienz
Nachteile: - komplexere interne Abstimmung
- nicht in jedem Land oder Steuersetting praktikabel
Ideal für große Konzerne mit globalen Beschaffungsstrategien.
Warum die Wahl der Struktur so wichtig ist
Die Einkaufsorganisation beeinflusst eine Reihe zentraler Themen:
- Preisverträge: gelten immer nur für die Einkaufsorganisation, der sie zugeordnet sind.
- Infosätze: verbinden Lieferanten und Materialien – aber nur innerhalb einer Einkaufsorganisation.
- MRP-Vorschläge: hängen indirekt an Infosätzen und damit an Einkaufsorganisationen.
- Reporting: Einkaufsstatistik, Preisanalysen, Lieferantenperformance – alles wird über die Einkaufsorganisation bewertet.
Viele Preisfehler in Unternehmen entstehen, weil Einkaufsorganisationen „historisch gewachsen“ sind und Strukturen nicht mehr zur Realität passen.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
In Projekten und im Support sieht man immer wieder die gleichen Probleme:
- Verträge werden in der falschen Einkaufsorganisation angelegt.
- Infosätze werden doppelt gepflegt, obwohl sie zentralisiert gehören.
- Werke werden einer Einkaufsorganisation zugeordnet, ohne dass Prozesse darauf abgestimmt sind.
- Konditionen werden falsch überschrieben, weil Strukturen nicht einheitlich gepflegt sind.
- Mehrere Einkaufsorganisationen handeln getrennt, obwohl sie theoretisch gemeinsam günstigere Preise verhandeln könnten.
Mein Tipp: Immer prüfen, ob die Einkaufsstruktur noch zur Organisationsstruktur außerhalb von SAP passt. Viele Systeme hinken Jahre hinterher.
Wie du die richtige Einkaufsorganisation für dein Unternehmen definierst
Folgende Fragen helfen bei der Entscheidung:
- Einkaufen die Werke sehr unterschiedliche Materialien?
- Gibt es lokale Preisverhandlungen, die unabhängig bleiben müssen?
- Gibt es zentrale Einkaufsabteilungen?
- Wie international ist das Unternehmen organisiert?
- Werden Kontrakte eher zentral oder dezentral verhandelt?
- Sollen Lieferanten strategisch konsolidiert werden?
Mit diesen Antworten findest du schnell heraus, ob du eher eine zentrale oder dezentrale Einkaufsorganisation benötigst.
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Fazit
Die Einkaufsorganisation ist das Fundament eines stabilen Beschaffungsprozesses in SAP. Wer ihre Bedeutung versteht und sie strategisch strukturiert, schafft konsistente Preise, verlässliche Infosätze und weniger Stammdatenchaos. Eine sauber gesetzte Einkaufsorganisation wirkt sich auf Bestellungen, MRP, Verträge und Analysen aus – und ist damit einer der wichtigsten Bausteine im SAP-MM-Umfeld.
