Einleitung
Infosätze gehören zu den Stammdaten, die im SAP-Einkauf oft unterschätzt werden. Viele wissen zwar, dass sie Preise enthalten – aber kaum jemand versteht, wie stark Infosätze die Preisfindung, Bestellvorschläge des MRP, Lieferzeiten und Auswertungen beeinflussen. Genau das führt zu Preisfehlern, falschen Analysen oder unnötigen manuellen Korrekturen.
In diesem Artikel erfährst du, wie Infosätze wirklich funktionieren, wie du Fehler identifizierst und wie du sie so nutzt, dass Bestellungen, Preise und Auswertungen endlich stabil laufen.
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Was ein Infosatz wirklich ist
Ein Infosatz verbindet ein Material mit einem Lieferanten – aber er ist viel mehr als eine einfache Preisübersicht.
Er enthält u. a.:
- aktuelle und historische Preise
- Konditionen wie Staffelpreise, Zuschläge oder Skonti
- Lieferzeiten (für MRP entscheidend!)
- Mindestbestellmengen
- Bestelltexte
- Gültigkeitszeiträume
- die Art der Belieferung (normal, Konsignation, Vorlage aus Vertrag)
Wichtig: Infosätze wirken automatisch, auch wenn man sie nicht aktiv öffnet. Deshalb passieren Fehler oft unbemerkt.
Infosatz, Kontrakt oder Rahmenvertrag – klare Abgrenzung
Viele Anwender sind unsicher, wann ein Infosatz wirklich Preise steuert und wann Preise aus Verträgen kommen. Die Unterschiede sind entscheidend:
- Infosatz ohne Vertrag: Preis steht direkt im Infosatz und wird in Bestellungen übernommen.
- Infosatz mit Bezug auf Vertrag: Preis steht nur im Vertrag, der Infosatz dient als technische Verbindung.
- Rahmenvertrag (z. B. Mengenvertrag): Bestellungen ziehen Preise aus dem Vertrag, nicht aus dem Infosatz.
Ein häufiger Fehler ist, dass im Infosatz alte Preise stehen, obwohl eigentlich ein Rahmenvertrag gepflegt wurde. Dann stimmen Analysen nicht mehr.
Wie Infosätze die Preisfindung beeinflussen
SAP folgt einer festen Reihenfolge, um Preise automatisch zu ermitteln:
- Vertrag (falls vorhanden)
- Infosatz
- Materialstamm
- Manuelle Eingabe
In den meisten realen Fällen kommen falsche Preise daher, dass im Infosatz noch ein alter Preis gültig ist – oft unbemerkt.
Infosätze steuern außerdem:
- Lieferzeiten (wichtiger als Materialstamm!)
- Mindestmengen
- Dispositionsvorschläge
- automatische Auswahl des Lieferanten in BANFs
- MRP-Berechnungen
Wenn MRP falsche Liefertermine generiert, liegt es in 90 % der Fälle am Infosatz.
Typische Fehlerquellen in der Praxis
Diese Fehler treten in fast jedem Unternehmen auf – und sie hängen fast immer mit Infosätzen zusammen:
- Ein alter Preis ist noch gültig ab “heute”, obwohl längst ein neuer vereinbart wurde.
- Der MRP plant unrealistisch, weil die Lieferzeit im Infosatz veraltet ist.
- Preisanalysen sind falsch, weil Auswertungen historisch auf Infosatzpreisen basieren.
- Mehrere Infosätze existieren unabsichtlich, z. B. für unterschiedliche Werke.
- Bei Kontrakten werden Preise falsch überschrieben, weil Infosätze nicht konsistent sind.
Wichtige Transaktionen rund um Infosätze
Für die tägliche Arbeit im Einkauf sind diese Transaktionen unverzichtbar:
- ME11 – Infosatz anlegen
- ME12 – Infosatz ändern
- ME13 – Infosatz anzeigen (wichtig für Analysen, Preisverläufe, Fehlerdiagnose)
- MEK2 / MEK3 – zentrale Konditionspflege für mehrere Infosätze
Besonders ME13 ist eine Art „Wahrheitsquelle“, wenn man verstehen will, warum SAP einen Preis zieht.
Empfehlungen aus der Praxis
Damit Infosätze das tun, was sie sollen, empfehle ich:
- Preisgültigkeiten regelmäßig prüfen
- Lieferzeiten mit dem Lieferanten abgleichen
- für neue Materialien immer sofort Infosätze anlegen
- Preisänderungen niemals rückwirkend pflegen
- beim Arbeiten mit Kontrakten sicherstellen, dass Infosätze nicht widersprüchlich sind
- bei Preisfehlern immer zuerst ME13 öffnen – nicht ME21N
Interne Links
Fazit
Infosätze sind einer der unscheinbarsten, aber einflussreichsten Bausteine im SAP-Einkauf. Wer versteht, wie Preise, Konditionen und Lieferzeiten zusammenwirken, verhindert nicht nur Fehler, sondern sorgt für stabile, nachvollziehbare Einkaufsprozesse. Ein sauber gepflegter Infosatz ist die Grundlage für korrekte Bestellungen, verlässliche MRP-Läufe und aussagekräftige BI-Auswertungen.
