Was bedeutet Bestandsreichweite?

Die Bestandsreichweite zeigt dir, wie lange dein aktueller Lagerbestand ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Sie ist eine der zentralen Lager-KPIs, denn eine zu geringe Reichweite führt zu Lieferengpässen – eine zu hohe Reichweite bindet unnötig Kapital.

Gerade in Supply-Chain-, Einkaufs- und Produktionsbereichen hilft die Bestandsreichweite dabei, Beschaffungsentscheidungen datengetrieben zu treffen.

Kurz gesagt:
Die Bestandsreichweite ist der Frühwarnindikator dafür, ob du zu viel oder zu wenig lagerst.

Die Standardformel: So berechnest du die Bestandsreichweite

Die einfachste Formel lautet:

Bestandsreichweite = Lagerbestand / durchschnittlicher Verbrauch pro Tag

Beispiel:

  • Lagerbestand: 2.400 Stück
  • Durchschnittlicher täglicher Verbrauch: 120 Stück
    → Bestandsreichweite = 2.400 / 120 = 20 Tage

Diese Formel eignet sich gut, wenn:

  • der Verbrauch relativ konstant ist
  • das Nachfrageverhalten klar und stabil ist

Wenn Zu- & Abgänge schwanken: Die präzisere Formel

In vielen realen Logistikprozessen entstehen unregelmäßige Zu- und Abgänge. Dann reicht die einfache Formel nicht aus. Hier kommt die dynamischere Methode zum Einsatz:

Bestandsreichweite = (aktueller Bestand + geplante Zugänge – Sicherheitsbestand) / prognostizierter Verbrauch

Diese Variante berücksichtigt zusätzlich:

  • geplante Wareneingänge
  • Sicherheitsbestände
  • Prognose statt Vergangenheitsverbrauch

Gerade bei stark schwankender Nachfrage oder langen Beschaffungszeiten ist das essenziell.

Bestandsreichweite in Excel berechnen – praktisches Beispiel

Angenommen du hast folgende Daten:

PositionWert
Aktueller Bestand5.000 Stück
Geplante Zugänge1.500 Stück
Sicherheitsbestand800 Stück
Prognostizierter Tagesverbrauch220 Stück

Formel in Excel:

=(B2 + B3 - B4) / B5

→ Ergebnis: 25,45 Tage

Excel eignet sich hervorragend, um:

  • automatisierte Berechnungen
  • Pivot-Analysen
  • ABC/XYZ-Kombinationen
  • visuelle Warnhinweise (Ampeln)

umzusetzen.

Was beeinflusst die Bestandsreichweite?

Die Reichweite wird von mehreren Faktoren gesteuert:

1. Verbrauchsschwankungen

Hohe Nachfragesprünge verkürzen die Reichweite oft drastisch.

2. Lieferzeiten & Zuverlässigkeit

Unpünktliche Lieferanten → höherer Sicherheitsbestand nötig → Reichweite sinkt.

3. Mindestbestellmengen

Große Bestelllose erhöhen die Kapitalbindung und verfälschen die Reichweite.

4. Saisonale Effekte

Besonders im Handel zwingend zu berücksichtigen – Stichwort Weihnachtsgeschäft.

Praktische Optimierungsstrategien

1. ABC/XYZ-Analyse kombinieren

  • A/X-Teile: Hohe Bedeutung + stabile Nachfrage → enge Steuerung
  • C/Z-Teile: Geringe Bedeutung + volatile Nachfrage → großzügigere Bestände

→ Senkt gleichzeitig Kosten und Stockouts.

2. Sicherheitsbestände richtig dimensionieren

Viele Unternehmen berechnen Sicherheitsbestände „nach Gefühl“ – das führt zu Überbeständen.
Besser:

  • historische Schwankungen
  • Lieferantenperformance
  • Servicelevel-Ziele

berücksichtigen.

3. Verbrauchsprognosen aktualisieren

Moderne Prognosemodelle (“Forecasting”) helfen, die Reichweite realistisch abzubilden.

4. Mindestbestellmengen hinterfragen

Oft sind sie historisch gewachsen – und heute unnötig hoch.

5. Automatische Warnmeldungen einbauen

In Excel, Power BI oder ERP-Systemen kann eine „Reichweite unter 10 Tagen“-Warnung extrem wertvoll sein.

Häufige Fehler bei der Reichweitenberechnung

❌ Durchschnittsverbrauch aus alten Daten ignoriert Saisonalität
❌ Sicherheitsbestände nicht berücksichtigt
❌ Laufende Bestellungen werden vergessen
❌ Mengen werden nur monatlich statt täglich betrachtet
❌ Fehlinterpretationen, weil keine Prognosen genutzt werden

Mit einer sauberen Berechnung hast du eine KPI, die auch das Management versteht – und die direkt handlungsleitend ist.

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